Nachtrag Löwenstein I

Es ist Samstag, 26.03. gegen 19.20 Uhr. Ich sitze  im IC von Mannheim Richtung Koblenz auf dem Heimweg von der Klausurtagung in Löwenstein. Ich kauere mich in meinen Sitzplatz und rutsche hin und her. Vor Schmerzen kann ich nicht richtig sitzen, ich versuche die beste Postiton zu finden, bei der es am wenigsten weh tut. Bis jetzt weiß ich nicht die Ursache meiner Schmerzen im Unterleib, deshalb werde ich übermorgen eine Intensivuntersuchung haben, vor der ich auch noch Angst habe. Das alles bedrängt meine Psyche momentan stark, ja ich merke sogar so etwas wie Selbstmitleid und Depression.

Um mir Erleichterung zu verschaffen stehe ich auf, noch 30 Minuten bevor ich umsteigen muss. Außerhalb des Großraumabteils, bei der Toilette am Zugausgang versuche ich im Stehen ein wenig zu entspannen. Da kommt ein etwa 40- jähriger Mann festgeklammert an seinem Rollator aus dem Abteil und stellt sich zu mir. Er hat seinen kleinen Sohn dabei und stöhnt, mit den Worten: „Ich kann nicht mehr sitzen und wenn ich stehe, kann ich bald nicht mehr stehen, ich habe Schmerzen am ganzen Körper, wie Rheuma, aber kein Arzt hat bis jetzt rausgefunden, was das ist“. Es entwickelt sich ein längeres Gespräch, wo er mir von seinem langen Leidensweg als Spastiker erzählt, bis zum heutigen Tag, wo er zusätzlich noch, seit einem halben Jahr, diese Schmerzen hat.

Als wir dann endlich umsteigen kommt zu uns ein junger Mann, der die gleiche Route wie wir hat. Es entsteht ein Dreiergespräch, bei dem er uns erzählt, dass er aus der Uniklinik Heidelberg kommt und jetzt auf dem Weg nach Hause ist. Er hat einen bösartigen Tumor im Hüftgelenk der behandelt wurde, aber es bestünde wenig Aussicht auf Besserung. Im Verlaufe des Gesprächs erzählt er uns noch von einem weiteren Schicksalsschlag wegen einer anderen Krankheit aus der Vergangenheit.

Wir steigen in den nächsten Zug, bleiben zusammen und reden weiter. Ich überlege – da waren doch noch meine eigenen Beschwerden, sie sind weit nach hinten gerückt. Ich komme mir sehr kleingläubig vor und bin beschämt, beim Vergleich mit den beiden, wegen der geringen Sache, die ich habe. Wir sprechen über den Sinn des Lebens und ich erzähle ihnen, dass es auf jeden Fall ein Leben nach dem Tod geben muss, bei dem es keine Krankheit und kein Leid mehr gibt. Dann erzähle ich von Jesus Christus, der das für uns erwirkt hat. Beide sind offen und nehmen mein Zeugnis an. Sie sind sogar bereit, nachdem ich sie frage, es zuzulassen, dass ich für sie um Heilung bete.  Ganz froh und glücklich komme ich in Oberhausen an, wo mich meine Frau vom Bahnhof abholt. Ich denke nach – da hat doch tatsächlich  Gott meine Situation im Zug in die Hand genommen und mir eine Glaubenslektion erteilt.

Ric

~ von risced - 28/03/2011.

Eine Antwort to “Nachtrag Löwenstein I”

  1. Übrigens, was meine Schmerzen/ Erkrankung betrifft, bin ich auf dem Wege der Besserung – nach zwei Monaten – endlich.
    Der Arzt hat mich gründlich durchgecheckt, so kam ich zu der längst fälligen ausführlichen Vorsorgeuntersuchung. Es ist soweit alles in Ordnung, nichts Ernsthaftes, nur altersbedingte Veränderungen.

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