Mitte Dezember: Rumänien, Moldawien, Ukraine und zurück

8.12.2010

Sitze gerade im „Sleepertrain“, der von Bukarest nach Chisinau in Moldawien fährt. Alles ist bis jetzt prima gelaufen. Hm … Gott hat auch immer wieder in meine Gedanken gesprochen, dass alles gut gehen wird.

Als wir heute um 12 Uhr von Oberhausen losfuhren, sah alles nicht so schön aus ­– es wollte nicht aufhören zu schneien, um 0 Grad. Angekommen am Dortmunder Flughafen war aber alles okay, wir hatten nur 20 Minuten Verspätung.

Bei plus 13 Grad um 19.30 in Bukarest angekommen, habe ich den Bus zum Bahnhof ohne lange Wartezeiten erwischen können und hatte sogar noch 1 Std. Zeit bis zur Abfahrt.

Ich erinnere mich an Berichte, die ich im Internet gelesen habe, dass der Zug ein Ofen sei – es scheint zu stimmen, ich sitze jetzt schon in Unterwäsche, weil es immer heißer wird, die Heizkörper lassen sich nicht abstellen. Aber ich habe ein Abteil mit vier Betten für mich alleine, kann mein Netbook auspacken, schreiben und mein mitgebrachtes Bier in Ruhe trinken.

Der Zug fährt relativ ruhig und gemütlich, ich schätze 90 km/h, aber nach einer Stunde  beginnt doch das bekannte Rattern, das ich noch dem Korona Express von Budapest nach Braschov kenne. Aber alle Leute, die ich im Zug und am Bahnhof getroffen habe waren sehr freundlich zu mir – super. Bin gespannt, wie es weiter geht.

Ich stelle wieder einmal fest, man muss den Mut haben etwas Neues zu wagen, die Rahmen der eigenen Sicherheiten zu verlassen, sich auf Terrain zu bewegen, das man noch nicht ausgelotet hat, man weiß nicht was kommt.

9.12.2010

Wir sind jetzt, nach mehr als 7 Stunden an der Grenze zu Moldawien angekommen – jetzt heißt es warten, denn nicht nur die Zollbeamten kontrollieren alle Leute im Zug, auch die Zugräder werden ausgewechselt, da Moldawien die breite russische Gleisspur hat.

Ich liege im Halbschlaf im Bett, da kommt plötzlich  ein Bahnarbeiter in mein Abteil, hebt den Teppich vom Boden und öffnet ein Loch, wo er drei Streben herauszieht, um die Radachse zu lösen, dann wird gedreht und geklopft. Die ganze Prozedur wird etwa 4 Stunden dauern. Als wir weiterfahren merke ich, dass sie auch die Lok ausgewechselt haben. Der Wagen, der vor mir war ist weg und tatsächlich, ich traue meinen Augen nicht, wir werden jetzt von einer Dampflok gezogen. Der Zug schaukelt und ruckelt, er fährt mit etwa 60 – 70 Sachen durch die Gegend.

Die Sonne scheint, Schneereste sind am Strassenrand – auch an der Landschaft und an den Häusern sehe ich zum ersten Mal, wie arm das Land tatsächlich ist. An den häufiger werdenden Strommasten meine ich zu erkennen, dass wir uns nach ca. 1,5 Stunden jetzt Chisinau nähern, tatsächlich etwa entsprechend dem Zeitplan.

Marius wartet am Bahnhof auf mich, dann beginnt mein erster Tag in Moldawien. Wir treffen Borris, der die Arbeiten am Haus des Educational Center übernehmen will – dafür habe ich in Deutschland Geld gesammelt. Er wir einelne Jugendliche, die ein praktisches Jahr dort machen, in die Arbeit integrieren. Danach treffen wir uns mit Emil, der mit mir morgen nach Chernovtsi fahren wird, um die Gruppe von jungen Erwachsenen zu besuchen, die im Gemeindegründungsprozess sind.

10.12.2010

Endlich sind wir durch die Grenze, im Norden Moldawiens zur Ukraine. Wir sind jetzt schon mehr als 7 Stunden unterwegs und werden wohl gegen 16 Uhr in Chernovtsi ankommen. Dort wird uns Sascha abholen. Bei leichtem Schnee, vereister Strasse und manchmal Sonnenschein hatten wir eine gute Fahrt – nicht sehr schnell, aber wir kommen an, 9 Stunden für 350 km.

Sascha hat die jungen Erwachsenen, mit denen er sich regelmäßig trifft zusammengerufen – in … Er hat mich gebeten etwas von meinem Material über Jüngerschaft mitzuteilen. Heute Nachmittag und am Abend werde ich dazu Gelegenheit haben – morgen früh wollen wir wieder zurückfahren nach Chisinau.

Emil ist mitgekommen und wird mich übersetzen. Im Bus haben wir uns gut unterhalten, über einfache Gemeinde und meine Seminare, die ich mache. Er liest zur Zeit ein russisches Buch über Hauskirche, mit Beiträgen von Steve Atkerson und anderen – wir kommen auf die Idee, dass er doch das Buch ins Rumänische übersetzen könnte, die Zeit hat er und auch die intellektuellen Fähigkeiten.

Angekommen um 16.15 Uhr  Sascha holt uns vom Busbahnhof ab

und fährt mit uns zu ihm nach Hause. Seine Eltern haben ein großes Haus, wo er mit ihnen und seiner Schwester zusammen wohnt. Er ist Software- Ingenieur, 24 Jahre alt und einer der verantwortlichen Leute der kleinen Gemeinde, bestehend aus ca. 12 Leuten, er ist meine Hauptansprechperson. Seine Mutter und eine andere Mutter in der Gruppe stehen als Helfer im Hintergrund.  Nach dem Essen treffen wir uns im großen Wohnzimmer, es kommen auch noch andere Leute, sodass etwa 15 Personen im Raum versammelt sind.

Ich spreche über die Grundlagen der Jüngerschaft, habe ein Präsentation dabei, jemand hat auch einen Beamer mitgebracht, sodass ich auch ein Paar Bilder zur Illustration dazu zeigen kann. Ich mache zwei Einheiten, von 18 – 23 Uhr – es ist großartig, wie die Leute mitgehen und auch Gespräche entstehen. Natürlich bringe ich auch immer wieder die einfache Gemeinde in Bezug zum Thema.

 11.12.2010

Ich sitze hier in einem Kleinbus an der Grenze von der Ukraine nach Moldawien. Wir sind seit 7.30 Uhr morgens unterwegs. Hatten einen sehr schönen Tag gestern. Jetzt geht es weiter, wir wollen um 16 Uhr wieder in Chisinau sein. Das Wetter ist gut, die Sonne scheint, die Strassen sind frei – Gott steht zu seinem Wort, er sagte, ich soll mir keine Sorgen machen, er hat alles in der Hand und ist bei mir.

Wir kommen schon um 15 Uhr in Chisinau an, trinken einen Kaffee und machen uns dann auf, Treffpunkt Gemeinderaum von Emils Gemeinde. Dort kommen etwa 10 Leute zusammen, es geht um Fragen und Antworten betreffs Hauskirchenbewegung und der praktischen Umsetzung in einer Stadt wie Chisinau. Eine Art- Lehr und Diskussionsrunde mit Leuten, die interessiert sind an einfacher Gemeinde und auch irgend wie in Verantwortung stehen

 – um ca 21.30 kommen wir wieder zuhause – dann essen und später nochmal diskutieren. Jetzt um 23.30 Uhr schreibe ich dies.

12.12.2010

Heute wache ich nach einem langen gestrigen Tag um 8 Uhr auf, um 11 Uhr gehe ich mit Marius zu der kleinen Gemeinde von Emil, der mich auf der Reise nach Chernivtsi begleitet hat. Er hat mich eingeladen, ein Wort zu bringen. Zum ersten Mal hat er einen Stuhlkreis gemacht, es sind auch nur etwa 15 Leute da. Er will es jetzt wie in einer einfachen Gemeinde machen – jeder hat etwas. Seine Einstellung hat sich mehr und mehr geändert, der Simple Church Virus hat ihn erwischt, er ist stark „infiziert“ und spricht nur noch von Ekklesia Oikos. Mein letzter und auch dieser Besuch hat ihn „angesteckt“. Die vielen Stunden, die wir zusammen im Bus unterwegs, in Chernivtsi und in Chisinau verbracht haben, etwa 50 bis 60 Stunden, haben ihre Wirkung nicht verfehlt.  

Nach dem Liedersingen spricht zuerst Emil in der Runde, gibt ein Bibelwort über das positive Beispiel der Gemeinde in Thessalonich weiter. Dann öffnet er die Runde und bittet um Beiträge der Teilnehmer. Zuerst bringt Sergei ein Zeugnis, wie er als zurückgefallener Christ und Vater von 7 Kindern sich tief in Alkoholismus und Kriminalität verstrickt hat. Vor einem Vor einem Jahr tat er Buße und wandte sich wieder Jesus zu. Tränen stehen in seinen Augen, es ist eine besondere Atmosphäre. Danach entwickelt sich ein Gespräch, wie so etwas passieren kann. Am Ende greife ich diesen Punkt auf und spreche über die besondere Verantwortung in der Gemeinde, den neuen Gläubigen zu helfen, dass sie als geistliche Babies wachsen und gedeihen können, ohne in die Sünde der Welt zurückzufallen.

Pavel kommt am Ende der Versammlung, wir haben uns gestern verabredet. Er möchte mit mir zu einem Freund gehen, der seit drei Jahren seine Wohnung nicht mehr verlassen hat und offensichtlich in einer tiefen Depression steckt. Er ist Musiker und hatte in der letzten Zeit vor diesem Rückzug eine Art Burn Out und die Trennung von seiner Frau erlebt. Jetzt macht er nichts mehr und sitzt nur noch zu Hause. Bei ihm angekommen freuen wir uns, dass er uns empfängt. Es ist auch ein wunderschöner Tag, der Himmel ist stahlblau und die Sonne scheint kräftig an diesem Mit- Dezembertag. Wir sprechen ein paar Worte, er will nicht viel reden und ich spreche ein Gebet der Autorität Jesu in sein Leben hinein.

Jetzt heißt es schnell in die Wohnung von Marius zurück – ein leckeres Essen einnehmen, Sachen packen und ab nach Durlest, einem Vorort von Chisinau, dort wartet eine größere Versammlung von Gläubigen, die schon seit 15 Uhr beim Liedersingen sind. Ich lege meine Sachen ab, nehme meine Bibel und Brille und soll gleich anfangen zu predigen. Ich spreche über die unterschiedlichen drei Arten der Gaben, die wir in der Bibel finden und führe aus, wie sie zusammenwirken und die Dienstgaben aus Ep.4,11 dabei eine Schlüsselrolle haben.

Etwa Minuten später beende ich die Predigt und verabschiede mich. Ich muss zum Bahnhof, mein „Sleepertrain“ fährt um 17.30 Uhr ab.

Ich sitze jetzt in dem Zug und schreibe, um 6 Uhr am nächsten Tag soll er in Bukarest ankommen. Etwa 24 Stunden hab ich noch, bevor ich wieder zu Hause bin, wenn alles gut geht und Gott Gnade schenkt.

13.12.2010

Bin gut in Bukarest angekommen, nach 13,5 Std. Bahnfahrt. Habe im Zug auch gut schlafen können, bin fit. Da wir schnell zum Bahnhof mussten, blieb keine Zeit noch Essen zu kaufen. In meinem Abteil war noch ein Rumäne, wir unterhielten uns ein wenig, ich benutzte zur Verständigung alle mir zur Verfügung stehenden lateinischen Wortstämme unserer Sprache und „Hände und Füsse“ – es ging tatsächlich. Dann packte er jede Menge  Essen (Fisch, Krabben, Brot, Eier, Zitronen) und lädt mich zum Mitessen ein. Gott ist doch sehr fürsorglich muss ich sagen.
Es ist auch kalt hier in Bukarest, ein wenig über null Grad schätze ich, aber kein Schnee, ich denke das Flugzeug wird wohl pünktlich um 13.05 starten und dann um 14.40 Uhr in Dortmund ankommen (1 Std. Zeitverschiebung).
Ich sitze jetzt hier bei McDonald und benutze das Internet eines Hotels, das gegenüber liegt :-), bei McDonalds geht es nicht.

 Jetzt werd ich erst einmal meinen Blog pflegen, ich habe noch 5 Std. Zeit – langsam zeigt sich die Sonne jetzt um 8 Uhr. Ich freue mich bald wieder zu Hause zu sein.

15.30 Uhr – bin gut in Dortmund angekommen Rose holt mich ab. So das wars erstmal für dieses Jahr.  Wünsche eine frohe Weihnachtszeit.

~ von risced - 09/12/2010.

3 Antworten to “Mitte Dezember: Rumänien, Moldawien, Ukraine und zurück”

  1. Möge unser Herr den Samen aufgehen und gut wurzeln lassen. Danke Richard, besonders für deinen treuen Dienst.
    Uli

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  2. Danke für deinen guten Wunsch Uli.
    Gottes Segen auch Dir und deiner Familie.

    Ric

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  3. Ich möchte eine ähnliche Tour machen und wäre über ein paar Infos von Dir dankbar. Würdest Du mir bitte einmal eine Mail an info (at) common-baits.de schicken? Wäre sehr nett. Grüße Christian

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